Althoff Grandhotel Schloss Bensberg | 51465 Bergisch Gladbach
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ALEX Gaststätten & Co. KG | 42651 Solingen

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Zugegeben, wer den Beruf des Barkeepers auf bloßes „Cocktails-Mixen“ reduziert, hat von der Realität an der Theke wenig gesehen. Mülheim an der Ruhr? Eine Stadt, die oft zwischen Industrietradition, neuem Selbstbewusstsein und – ja, tatsächlich – einer überraschend vielschichtigen Gastronomieszene pendelt. Ich erinnere mich noch gut an die Unsicherheit vor meinem ersten Schichtbeginn: Stimmen die Klischees, dass hier im Ruhrgebiet alles ein bisschen rauer, direkter zugeht? Vielleicht. Aber genau das macht’s spannend. Wer in Mülheim einsteigt, begegnet Arbeitsalltag und Menschenschlag, bei denen man mehr lernt als jedes Handbuch je liefern könnte.
Das breite Grinsen eines Stammgastes, der mal wieder zu laut nach einem „anständigen Alt“ ruft; die diffuse Clubmusik aus einer Bar, die plötzlich auf Gin-Spezialitäten setzt – Mülheims Gastroszene oszilliert irgendwo zwischen Tradition und Wandel. Während sich im klassischen Kneipenviertel bis heute das handfeste Thekenhandwerk bewährt – Serviettenfalten, Fassbierkunst, Smalltalk mit dem halben Stadtteil –, experimentieren neuere Bars mittlerweile mit House-Infusionen, lokalen Bio-Destillaten oder alkoholfreien Trendmixen. Heißt übersetzt: Wer einsteigt, muss schnell umschalten können. Technik, Menschen, Moden – alles im permanenten Wechselspiel.
Man sollte sich da nichts vormachen: Barkeeper in Mülheim zu sein, ist kein glamouröser Dauerzustand – es ist ehrliche Arbeit, oft mit mehr Thermoskanne als Shaker in der Hand. Die Anforderungen? Klar, ein gewisses Wissen über Spirituosen und Zubereitung ist hilfreich. Noch wichtiger: das Gefühl für Atmosphäre. Wer im Rudel feiernder Fußballfans kühlen Kopf behält, kann kurz darauf den perfekten Espresso für den Genuss-Gast am anderen Ende der Bar servieren müssen. Multitasking ist hier keine Floskel, sondern täglich Brot. Gute Laune, Nervenstärke, eine Prise Situationskomik – und nicht zu vergessen: der Mut, mit Gästen in den Dialog zu treten; manchmal charmant, manchmal unmissverständlich oder einfach nur zuhörend.
Wirtschaftlich betrachtet gleicht der Job oft einer Wundertüte. Die Nachfrage nach Barkeepern schwankt – abhängig von Saison, Eventdichte und dem auf und ab der Gastronomiebranche. Nicht zuletzt seit der Pandemie haben sich die Rahmenbedingungen verschoben: Es gibt weniger Betriebe mit reinem Tresenbetrieb, dafür mehr Mischformen – Café am Tag, Bar am Abend. Das Einstiegsgehalt in Mülheim bewegt sich meist um 2.200 € bis 2.800 €, je nachdem, ob Nacht- und Wochenendarbeit, Sonderveranstaltungen oder Serviceanteile dazukommen. Wer einschlägige Erfahrung oder Zusatzzertifizierungen (Cocktailwettbewerbe, Barista-Badge etc.) mitbringt, kann auch auf 3.000 € oder mehr hoffen. Aber: Ohne Trinkgeldrechnung wäre die blanke Zahl oft ernüchternd. Die große Show? Eher selten. Wer sich auf Dauer motiviert, tut es aus Überzeugung – und, vielleicht noch entscheidender, wegen der Gespräche und kleinen Geschichten, die zwischen den Gläsern zirkulieren.
Mülheim ist kein Berlin – Workshops zu Mixologie oder Eventservice muss man sich gezielt suchen. Doch das Angebot wächst: Lokale Akademien, überregionale Bartender-Trainings, gelegentlich Kooperationen mit Spirituosenherstellern. Und nicht zu unterschätzen: die informelle Meisterschaft am Tresen selbst. Viele lernen mehr von Kolleginnen als aus Lehrbüchern. Wer sich entwickelt, tut das im Zweifel hybrid – als Barhandwerker, Menschenkenner, Produktnerd. Perspektiven gibt es, aber selten nach Schema F. Am Ende zählt: Wer Barkeeper in Mülheim werden oder bleiben will, braucht Neugier auf Menschen. Der Rest ist Fleiß, Fingerspitzengefühl und spontaner Improvisationsgeist. Und, Hand aufs Herz: Manchmal ist das die beste Schule fürs Leben.
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