Rittal GmbH & Co. KG | 35708 Haiger
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SAE Institute Bochum | 44793 Bochum
SAE Institute Köln | 51063 Köln

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Bühnenbildner in Bonn? Wer die Ohren spitzt, hört bei diesem Beruf zwei Herzen laut schlagen: das kreative, das nach Farben, Stoffen und skurrilen Konstruktionen verlangt – und das disziplinierte, das Zeitpläne, Budgets und wacklige Vorschriften jonglieren muss. Die Bühne ist eben kein grenzenloses Labor für Träumer, sondern eine Werkstatt, in der Fantasie auf den spröden Boden des Machbaren knallt. Gerade für Einsteiger oder Wechselwillige, die in der ehemaligen Hauptstadt Fuß fassen wollen, heißt das: willkommen in einer Nische, die alles abverlangt – Schweiß, Seele und, ja, manchmal auch eine robuste Frustrationstoleranz.
Sollte irgendwer glauben, Bühnenbilder entstehen wie von Zauberhand, hat noch nie einen verregneten Vormittag im Fundus des Bonner Theaters verbracht. Hier stapeln sich lieblose Elemente aus fünf Jahrzehnten Kulturgeschichte, dazwischen das Neue, das Schrille, das irgendwann vielleicht einen Applaus wert sein wird. Die Aufgaben reichen weit über das Skizzieren hinaus: Absprachen mit Regie, Inspektion der Statik, Kalkulation der Kosten (und die gefühlt stündlichen Abstriche), Zusammenarbeit mit Schreinern, Malern und Technikern. Ach, und dabei das Publikum nie aus dem Blick verlieren! Ein Bühnenbild soll fangen – nicht verwirren. Ein Balanceakt, der manchmal an Seiltanz erinnert, nur ohne Sicherungsnetz.
Die Nachfrage? Unregelmäßig wie der Applaus im dritten Akt einer experimentellen Uraufführung. Bonn lebt von seinen Spielstätten – klar, das renommierte Theater, aber auch freie Gruppen, kleine Bühnen, Puppenspieler und Musikfestivals. Klingt nach großem Markt, ist in Wahrheit jedoch ein überschaubares Biotop mit eingeschränktem Ressourcenpool. Für Einsteiger und erfahrene Experten gleichermaßen gilt: Wer hier mitmischen will, braucht nicht nur ein gutes Auge, sondern auch Nerven wie Drahtseile und oft einen zweiten Plan für magere Phasen. Manche sagen, Bonn sei besonders, weil hier neben der klassischen Stadttheaterästhetik auch experimentelles Musiktheater, politische Performances und spartenübergreifende Projekte zur Heimat geworden sind. Stimmt. Nur bringt Vielfalt eben auch Konkurrenzdruck und Preisdruck.
Hand aufs Herz: Wer hier einsteigt, tut es selten nur wegen des Geldes. Von Idealismus allein lebt es sich aber auch in Bonn nicht. Einstiegsgehälter bewegen sich am Theater, abhängig von Vertragsart und Qualifikation, im Bereich von rund 2.300 € bis 2.800 € – klingt solide, ist aber angesichts der Arbeitszeiten, dem Anspruch und den durchaus durchwachsenen Beschäftigungsverhältnissen (Freelance, Honorar oder Kurzzeitengagements – will heißen: Planbarkeit ist relativ) ein limitierender Faktor. Erfahrene Fachkräfte können, je nach Position und Projektumfang, Werte zwischen 3.000 € und 3.800 € erreichen, manchmal mehr, oft weniger. Und Prestige? Wer mal nachts um halb drei mit Schweißperlen auf der Stirn letzte Styroporplatten zurechtschnitzt, kennt die wahre Bedeutung dieses Begriffs.
Digital aufgerüstete Laserfräsen, 3D-Modelle, Virtual-Reality-Entwürfe? In Bonn, so mein Eindruck, sind sie noch selten die Regel, aber keine Zukunftsmusik mehr. Während andere Branchen von Digital Twins und automatisierten Produktionsprozessen schwärmen, arbeiteten Bonner Bühnenbildner bislang meist ganz pragmatisch: Handzeichnung, Modellbau, Improvisation. Doch die jüngeren Jahrgänge – und auch einige hartnäckige Umschuler – bringen frischen Wind. Softwarekenntnisse, nachhaltige Materialkonzepte, das Gespür für partizipative Raumlösungen stehen immer öfter auf den Wunschlisten der Häuser. Ob das den kolossalen Arbeitsdruck senkt, ist offen. Denn wer einmal erlebt hat, wie aus einer spontanen Regie-Idee binnen 24 Stunden ein komplett neues Raumkonzept wächst, weiß: Technik hilft, aber zaubern muss man noch selbst.
Manchmal ertappe ich mich dabei, das Ganze fast romantisch zu verklären. Was viele unterschätzen: Ohne Zustand zwischen Euphorie und tiefer Zweifel war hier noch niemand langfristig glücklich. Bonner Bühnenbild lebt von Brüchen, von Neugier und dem Mut, heute alles zu geben, auch wenn morgen schon wieder das nächste Konzept verlangt wird. Ich habe gelernt, dass Planbarkeit überschätzt wird, dass Scheitern dazugehören darf – und dass die größten Chancen oft im Nebel liegen, den der Theatersaal nach Probenende zurücklässt. Irgendwie tröstlich. Und ein bisschen verrückt.
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